Alles, was du über die Dividende wissen musst

Was ist eine Dividende und wer entscheidet darüber?

Du hast mehrere Aktien in deinem Portfolio und erhältst (meist im ersten Halbjahr) auf einmal einen Brief nach Hause mit der Einladung zur Hauptversammlung des Unternehmens. Die Hauptversammlung findet einmal im Jahr statt. Hier treffen sich alle Aktionäre und tauschen sich über die aktuelle Geschäftsentwicklung aus. Meist findet die Hauptversammlung in der Nähe des Unternehmenshauptsitzes statt. Wenn du Stammaktien hältst, kannst du bei Beschlüssen mit abstimmen. Wenn du Vorzugsaktien hältst, kannst du nicht mit abstimmen. Dafür erhältst du meist eine höhere Dividende.

Bei der jährlichen Hauptversammlung wird unter anderem über die sogenannte Dividende abgestimmt. Die Dividende beschreibt den Teil des Unternehmensgewinns, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird.  Sie ist nicht mit Zinsen zu verwechseln. Der Vorstand schlägt in der Hauptversammlung die Höhe der Dividende vor. Dann wird diese von den Aktionären mit einfacher Mehrheit beschlossen.  

Die Höhe der Dividende ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. So zahlt z.B.  Daimler eine Dividende von 0,90€ pro Aktie, Henkel liegt bei 1,85€ pro Aktie und die Allianz zahlt sogar ganze 9,60€ pro Aktie.

 

Welche Dividendenarten gibt es?

 Am häufigsten wird die Bardividende ausgezahlt. Dem Aktionär wird hier für jede Aktie ein vorher festgelegter Betrag ausgezahlt.

Neben der Bardividende gibt es auch die Stock-Dividende. Stock steht hier für Aktie. Das heißt, du bekommst weitere Aktien des jeweiligen Unternehmens statt einen festgelegten Geldbetrag.

Etwas seltener kommt die Sachdividende vor. Hier können Wirtschaftsgüter oder Aktien von Tochtergesellschaften ausgeschüttet werden. Sixt bietet zum Beispiel den Sixt Shareholder Tarif, bei dem ihr, wenn ihr eine Sixt Aktie besitzt, bis zu 15% auf den normalen Tarif sparen könnt. Ihr müsst euch dann mit einer Kopie eurer Sixt Aktie (z.B. Depotauszug) beim Kundenservice freischalten lassen. 

 

Wann wird die Dividende gezahlt?

 Die Dividende wird frühestens drei Tage nach der Hauptversammlung ausgeschüttet. Ob du die Dividende erhältst hängt davon ab, ob du die jeweilige Aktie am Tag der Hauptversammlung in deinem Depot hältst. Im Ausland gibt es meist andere Regeln, die klären, ob ein Aktionär eine Dividende erhält. Die Dividende wird in Deutschland in der Regel einmalig ausgeschüttet und wird meist auf das zugehörige Depotkonto gezahlt. Im Ausland kann dies jedoch abweichen. Manche Länder schütten mehrfach aus, zum Teil gibt es auch monatliche Zahlungen. 

Wie müssen Dividenden versteuert werden?

Seit 2009 gilt die Abgeltungssteuer, nach der Privatpersonen Steuern auf ihre Kapitalerträge zahlen müssen. Somit musst du die Dividende als Einkunft aus dem Kapitalvermögen versteuern. Das gilt natürlich nur, wenn du den Sparerpauschbetrag von 801€ pro Person (also 1.602€ als Ehepaar) überschreitest (Stand: 2020). Die Abgeltungssteuer beträgt 25% + Soli Zuschlag und ggf. Kirchensteuer. Wenn keine Freistellungsbescheinigung vorliegt, ziehen Depotbanken die Abgeltungssteuer direkt ein und leiten sie an das Finanzamt weiter. Den Sparerpauschbetrag kannst du dann in deiner Steuererklärung anrechnen. Alternativ kannst du deiner Bank eine Freistellungsbescheinigung geben, dann wird das gleich verrechnet. 

 

Wie werden ausländische Dividenden versteuert?

Um dein Portfolio zu diversifizieren hältst du vielleicht auch ein paar Ausländische Aktien in deinem Depot. Die Abgaben auf Dividenden unterscheiden sich von Land zu Land. Hier kann zusätzlich zur Abgeltungssteuer auch noch die ausländische Quellensteuer anfallen. Um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden hat Deutschland mit einer Vielzahl von Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen. Dieses ermöglicht, dass die ausländische Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungssteuer (maximal 15pp) angerechnet wird. 

Wenn du z.B. US-Aktien wie Heinz Kraft oder Microsoft hast, musst du 30% der Ausschüttungen als Quellensteuer abführen. Da es aber ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA gibt, kannst du pauschal schon vor Ausschüttung der Dividende einen Antrag auf eine Ermäßigung von 15% stellen. Hierzu benötigst du nachfolgendes Formular:   Das W-8BEN (Certificate of Foreign Status of Beneficial Owner for United States Tax Withholding and Reporting). Einige Depotbanken füllen dieses Formular automatisch für ihre Anleger aus. Frag am besten direkt bei deiner Bank nach. Es gibt dann zwei Szenarien:  

1. Dein Sparerpauschbetrag ist noch nicht aufgebraucht: Dann bezahlst du die 15% Quellensteuer trotzdem. Die Sparerpauschbeträge werden in dem Fall nicht berücksichtigt. 
2. Dein Sparerpauschbetrag ist aufgebraucht: Dann zahlst du zusätzlich zu den 15% Quellensteuer in Deutschland zusätzlich 10%, um auf die vollen 25% Abgeltungssteuer zu kommen. 

Je nach Land variieren die Steuersätze und die Vorgehensweise. Schau dir deshalb bevor du eine neue Aktie für dein Depot kaufst an, welche zusätzlichen Kosten auf dich zukommen.

 

 

Schütten alle Unternehmen eine Dividende aus?

Nein, nicht alle Unternehmen schütten eine Dividende aus. Eine Dividende hat für das Unternehmen immer den Nachteil, dass das verfügbare Kapital, was in das Unternehmen reinvestiert werden kann, geschmälert wird. Unternehmen ohne Dividendenausschüttung haben deshalb meistens eine höhere Liquidität. Alphabet zahlt z.B. keine Dividende aus. 

Es kann außerdem sein, dass Unternehmen die Dividende z.B. aufgrund der Corona Krise kürzen oder sogar ganz aussetzen, um ihre Liquidität nicht zu gefährden. 

Was ist die Dividendenrendite und macht es Sinn nur in Aktien mit möglichst hoher Dividendenrendite zu investieren?

Die Dividendenrendite (in %) ist eine Kennzahl, die Aktien beurteilt. Um sie zu berechnen, teilt man die Höhe der Dividende durch den Kurswert der Aktie und multipliziert das ganze mal 100: 

Dividendenrendite = (Höhe der Dividende / Kurswert der Aktie)*100

Einige Anlagestrategien investieren bewusst in Aktien mit möglichst hoher Dividendenrendite. Aber eine hohe Dividendenrendite bedeutet nicht zwingend, dass die Aktie auch eine gute Anlage ist. Die Höhe der Dividende kann schwanken, weshalb man sich auch die Dividende im zeitlichen Verlauf anschauen sollte. Wenn der Aktienkurs fällt, die Dividende aber gerade ausgezahlt wurde, ist der Wert primär aufgrund des gefallenen Kurswertes sehr hoch. Bei steigendem Aktienkurs hingegen fällt die Dividendenrendite. Da sie nur von 2 Faktoren, nämlich der Dividende und dem Kurswert abhängt, sollte sie mit Vorsicht interpretiert werden. Zusätzlich ist es wichtig, die Dividendenrendite nicht als alleinige Kennzahl zur Bewertung von Aktien heranzuziehen, sondern sie immer im Kontext verschiedener Kennzahlen zu betrachten.

Bei einer reinen Dividendenstrategie investiert man primär in Aktien mit hoher oder steigender Dividende investiert – hier waren in der Vergangenheit z.B:  McDonalds und Coca Cola beliebt. Aber man sollte nachfolgende zwei Faktoren nicht vernachlässigen. Zum einen müssen die steuerlichen Kosten, die bei einer Dividende anfallen in der Kalkulation berücksichtigt werden. Zum anderen geht man bei einer Dividendenstrategie davon aus, dass die Dividende gleich reinvestiert wird. Hier fallen jedoch erneute Transaktionskosten an, die ebenfalls mit eingerechnet werden sollten. 

Wenn du auf regelmäßige Ausschüttungen deines Investments angewiesen bist (z.B. im Rahmen deiner Altersvorsorge) kann ein Fokus auf dividenstarke Aktien durchaus Sinn machen. Sollte das nicht der Fall sein, solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass Aktien mit niedrigerer oder keiner Dividende ebenfalls eine starke Performance abliefern können und ein besseres Investment sein können. Auch hier gilt wie immer, es gibt nicht den einen richtigen Weg, wie man am besten investiert. Es gibt eine Vielzahl an Lösungen, die abhängig davon sind, wie deine persönliche Anlagestratgie aussieht.

 

Geld Geflüster - Kurz und Knapp:

  1. Die Dividende ist der Teil des Unternehmensgewinns, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird. 
  2. In Deutschland wird die Dividende i.d.R. einmal jährlich bezahlt. In der Hauptversammlung wird über die Dividende mit einfacher Mehrheit abgestimmt. 
  3. Dividenden müssen in Deutschland zu 25% besteuert werden, wenn der Freibetrag überschritten wird. Bei ausländischen Aktien gibt es außerdem die sogenannte Quellensteuer
  4.  Die Dividendenrendite ist einer der beliebtesten Kennzahlen, um Unternehmen zu bewerten. Die Interpretation ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie durch eine veränderte Dividende oder einen veränderten Aktienkurs stark schwanken kann. 

Die Informationen in diesem Blogpost basieren auf Recherchen und unserem besten Wissensstand.

Sie ersetzen nicht eine professionelle Finanzberatung. Die Anwendung, der hier genannten Empfehlungen, erfolgt auf eigenes Risiko.

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