Was musst du über den aktuellen Bärenmarkt wissen?

Das aktuelle Coronavirus verändert die Welt und sorgt für viel Verunsicherung, Fake News und offene Fragen. Um so wichtiger ist es jetzt Ruhe zu bewahren und sich sachlich bei seriösen Quellen zu informieren und dann überlegt zu handeln. 

Wir wollen dir in diesem Post die aktuelle Lage an den Finanzmärkten erklären und darauf eingehen, was das für deine Geldanlage bedeutet.  

Die aktuelle Lage an den globalen Finanzmärkten

Seit genau einem Monat sind die globalen Finanzmärkte auf Talfahrt. Alle Börsen verzeichnen massive Kursverluste, so dass man jetzt von einem Bärenmarkt spricht. Ab Kursverlusten von 20% und mehr verglichen zum letzten Kurshoch, sowie einem allgemeinen negativen Börsensentiment spricht man von einem Bärenmarkt. Wie viel die wichtigsten Indizes weltweit seit Jahresanfang eingebüßt haben, kannst du hier sehen: 

Kursveränderung seit Jahresbeginn, Stand 19.03.2020:

  • DAX: – 36,52% 
  • Euro Stoxx 50: – 36,6%
  • Dow Jones: – 31,50%
  • S&P 500: -27,01%
  • MSCI World: -29,47% 

Grafik: Kursentwicklung des Dax, Euro Stoxx 50 und S&P 500 in den letzten 12 Monaten (März 2019 – 2020)

Quelle: https://www.ariva.de/dax-index/chart [unbezahlte Werbung]

Warum sehen wir im Moment so starke Kursverluste?

Um das zu verstehen, müssen wir ein wenig über einfache volkswirtschaftliche Prinzipien sprechen. Keine Sorge, es bleibt alles ganz verständlich in normalen Deutsch ;-).

Gleichzeitiger Rückgang von Angebot und Nachfrage weltweit

Aktienpreise werden über das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zueinander bestimmt. Haben sehr viele Menschen Interesse an einem Unternehmen (Nachfrage) und es gibt nur eine limitierte Anzahl von Aktien (Angebot), steigt der Aktienkurs dieses Unternehmens.

Was aktuell an den Börsen passiert ist ein dramatischer Rückgang von sowohl Angebot als auch Nachfrage. Regierungen in der ganzen Welt haben Reisestopps, Ausgangssperren u.ä. verordnet, was uns alle zwingt mehr oder weniger den ganzen Tag zu Hause zu bleiben. In diesen Zeiten geben wir alle weniger Geld aus, da wir unser Geld bis auf online und im Supermarkt, aktuell ja auch nicht so einfach wie vorher ausgeben können. Andere von uns sind leider erkrankt und konsumieren außer gesundheitlicher Leistung im Moment rein gar nichts. Die wirtschaftliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ist also weltweit gesunken. Parallel haben sehr viele Firmen einen Produktionsstop verordnet und können uns aktuell nur schwer oder zum Teil gar nicht mit Ware beliefern. Das Angebot in vielen Industrien ist also auch eingebrochen. Historisch betrachtet ist die aktuelle Situation äußerst ungewöhnlich, da normalerweise Angebot und Nachfrage nicht zeitgleich so plötzlich sich reduzieren. Dies sorgt für Verunsicherung und für die Kursrückgänge an den Börsen.  

Große Verunsicherung unter Anlegern

Wer sich mit Börsen beschäftigt, kennt sicher auch den Volatilitätsindex VIX. Der VIX ist der Volatilitätsindex auf den amerikanischen S&P 500. Er beschreibt die erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 Aktienmarktes. Dass der Index so heißt, was im Deutschen auch anderes vermuten lässt, mag vielleicht ein lustiger Zufall sein ;-), hat aber mit dem was der Index abbildet erstmal rein gar nichts zu tun. Volatilität beschreibt den Schwankungsverlauf von Aktienkursen und ist ein börsentechnischer Risikoindikator. In Zeiten von großer Unsicherheit und Kursverlusten an den Börsen ist es spannend einen Blick auf den VIX Index zu werfen, um eine Einschätzung vom allgemeinen Gefühl unter Anlegern zu bekommen. 

Grafik: Kursverlauf des VIX Index seit 2007 | Quelle: www.finance.yahoo.com [unbezahlte Werbung]

Der Chart vom VIX zeigt eindeutig, dass die Verunsicherungen von Investoren aktuell sehr sehr stark ist. Der VIX ist innerhalb kürzester Zeit auf ein höheres Niveau als während der Bankenkrise in 2008 angestiegen. Wenn Anleger unsicher sind, passieren panische, unüberlegte Entscheidungen und sorgen für viele Verkäufe an den Börsen. Insbesondere überraschend ist, dass all das innerhalb von nur wenigen Tagen passiert ist, was darauf hindeutet, dass aktuell die Risikoeinschätzung an den globalen Börsen sehr hoch ist, was eine weitere Erklärung für die Talfahrten der Börsen ist. Zum Vergleich ist die Volatilität   in der letzten Krise in 2008 graduell über Monate hinweg angestiegen.

Rezession oder Kurskorrektur - viele Vermutungen

Blicken wir etwas voraus auf mögliche mittelfristige Konsequenzen für die Weltwirtschaft kann der drastische Rückgang von Angebot und Nachfrage bedeuten, dass viele Unternehmen dieses Jahr gar kein Wachstum verzeichnen können und stattdessen Verluste einfahren werden, was den mittelfristigen Ausblick auf die gesamte Weltwirtschaft verdüstert. Auf Konsumentenseite kann es bedeuten, dass leider manche von uns größere Einkommensrückgänge sehen werden oder sogar ganz ihren Job verlieren werden. Mit anderen Worten rechnen viele Wirtschaftswissenschaftler und Anleger mit einer bevorstehenden globalen Rezession. Dies ist aber nur eine mögliche Vermutung.

Aktuell weiß niemand, wie schnell sich unsere Weltwirtschaft von den Folgen des Coronavirus erholt. Denkbar sind drei Szenarien: 

  1. Temporäre Marktkorrektur und baldige Erholung der Wirtschaft und Aktienkurse: Hierfür spricht, dass andere Wirtschaftsindikatoren, wie die Arbeitslosenzahlen noch nicht erhöht sind und die Weltwirtschaft vor der Coronakrise in starker Verfassung war.
  2. Mittelfristige Rezession: Vieles deutet daraufhin, dass Unternehmen und auch Konsumenten sich nicht so schnell von der Krise erholen werden (siehe oben) und wir noch einige Monate bis sogar nächstes Jahr uns in einem wirtschaftlichen Rückgang befinden werden.
  3. Richtige Rezession mit langfristigen Folgen: denkbar ist auch, dass viele Wirtschaftszweige sich in den nächsten Jahren nicht von den Verlusten der Coronakrise erholen werden (Unternehmenspleiten etc) und die Weltwirtschaft wie 2008 in eine globale Rezession schlittert.    
Fakt ist aber, dass noch NIE Jemand die Zukunft vorhersehen konnte, daher empfehlen wir dir keiner Prognose zu trauen. Vor der Subprime Krise in 2008 wurde anfangs auch nur mit einer milden Korrektur der Aktienmärkte gerechnet und nur gaaaaanz wenige Anleger haben die Rezession erwartet. Es gilt abzuwarten und die Lage permanent zu beobachten.  

Was bedeutet die Coronakrise für deine Geldanlage?

Du fragst dich jetzt, ob du KAUFEN, NICHTSTUN oder VERKAUFEN solltest? Da diese Frage sehr individuell ist und abhängig von deiner Risikobereitschaft (siehe oben VIX Chart)  wie auch deines Anlagehorizontes, können wir darauf pauschal keine Empfehlung geben. Folgende Überlegungen solltest du dir aber machen:

Eine Frage deines Anlagehorizontes

Historisch gesehen sind Bärenmärkte kein Dauerzustand und werden sich auch wieder erholen. Die Frage ist nur, wie lange eine solche Erholung bis zu neuen historischen Kursrekorden mit positiven Renditen dauern wird. 

Seit 1900 haben Bärenmärkte sich im Durchschnitt innerhalb                         von ca. 5 Jahren wieder erholt. 

Es hat also 5 Jahre gedauert bis Kursverluste wieder eingeholt wurden. Dazu hat der deutsche Blogger Big Earn, der in den USA lebt, einen sehr detaillierten Blogpost (auf Englisch geschrieben), wo du genau sehen kannst, wie lange die Erholung jedes historische Bärenmarktes gedauert hat. Wichtig zu wissen ist, dass in der Vergangenheit nicht jede Krise innerhalb von 1-2 Jahren überstanden war. Die längste Krise hat zum Beispiel 15 Jahre gedauert, bis sie überwunden wurde und höheres Wachstum als vor der Krise erwirtschaftet wurde. Und der Durchschnitt liegt wie gesagt bei ca. 5 Jahren. 

Was dies genau für deine Geldanlagestrategie bedeutet, haben wir hier für dich in analysiert und gehen auf 3 verschiedene Anlagehorizonte ein.

10+ Jahre

Wenn du deine Geldanlage als deine private Altersvorsorge betrachtest, auf das Geld bis zum Renteneintritt nicht angewiesen bist und einen Anlagehorizont von 10+ Jahren hast, ist jetzt ein guter Zeitpunkt Aktien zu kaufen. Sollte das dein Fall sein, empfehlen wir dir nicht auf einmal alles zu investieren, sondern in zeitlichen Abständen gleich große Beträge zu investieren. Da keiner weiß wann das Tief an den Börsen erreicht ist und du ja am liebsten zu den möglichst günstigsten Aktienkursen kaufen möchtest, macht das zeitlich gestückelte Kaufen Sinn. Diese Strategie nennt man auch Durchschnittskosteneffekt.

6+ Jahre

Möchtest du dein Geld für die nächsten 5+ Jahre anlegen oder dein Portfolio in ca. 5 Jahren teilweise liquidieren, ist die aktuelle Situation sehr schwierig einzuschätzen. Wir glauben, dass du in diesem Szenario mit der nochmaligen Erinnerung, dass wirklich NIEMAND vorher sehen kann, wie lange die Erholung einer Krise dauert, den Markt in den nächsten 6 Monaten beobachten solltest. Im Moment ist es zu früh um grundlegende Veränderungen in der Investitionsstrategie zu machen, da einfach noch nicht genug Wirtschaftsdaten seit der Coronakrise vorliegen. In spätestens 6 Monaten werden wir alle wissen, wie die Weltwirtschaft sich angepasst hat und wie die Aktienmärkte dann bewertet werden. Unsere Devise lautet also: Nicht alles verkaufen, aber auch nicht viel kaufen. 

Solltest du zu 100% in Aktien investiert sein, würden wir jetzt einen Teil (ca. 30%) verkaufen. Und solltest du zu 100% in Anleihen oder gar nicht investiert sein, würden wir jetzt einen Teil Aktien (ca. 30%) kaufen. Unter allen anderen Umständen, also z.B. mit einem diversifizierten Portfolio, würden wir jetzt erstmal 2-3 Monate abwarten und die Lage dann neu bewerten.  

Sollte sich eine mittel- längerfristige Krise tatsächlich realisieren und du für 5+ Jahre investieren möchtest, denken wir, dass nicht der Großteil deines Anlageportfolios in Aktien investiert sein sollte. Stattdessen solltest du auch anteilig Staats- und Unternehmensanleihen halten, möglicherweise etwas Gold (darüber streiten sich die Meinungen, von daher solltest du dich mit dem Thema Gold etwas intensiver beschäftigen), wie auch mittelfristige Geldmarktprodukte (also Cash, dass sehr niedrig verzinst wird).   

3+ Jahre

Stehst du kurz vor dem Renteneintritt oder kannst dein Geld nur für kurze Zeit anlegen, da du danach auf es angewiesen bist, sind in der aktuellen Marktlage Aktien kein gutes Instrument für dich. Stattdessen macht es Sinn dein Aktienportfolio jetzt zu noch recht hohen Kursen zu verkaufen. Wie schon oben beschrieben, dauert die durchschnittliche Erholung von Bärenmärkten an der Börse 5+ Jahre. Da du mit deinem Anlagehorizont in diesem Szenario deutlich darunter liegst, ist diese Anlageklasse für dich nicht mehr attraktiv. Stattdessen machen leicht verzinste Geldmarktinstrumente (z.B. Festgeldkonten), sowie Anleihen Sinn. Achtung aber welche Anleihen. Deutsche Staatsanleihen werfen zum Beispiel immer noch negative Zinssätze ab, was bedeutet, dass du für diese Anleihen keine Rendite erhältst, sondern zahlen musst, um sie zu halten. Interessanter finden wir Staatsanleihen von Ländern, wo zumindest ein minimaler Zinssatz verdient werden kann und Unternehmensanleihen von soliden Großunternehmen, die in der Vergangenheit schon immer ihre Schulden zurückgezahlt haben. 

Dein gesamtes Vermögen nur in Bargeldreserven zu halten ist auch eine Möglichkeit, schützt dich aber nicht vor der Inflation. Lies hierzu unseren detaillierten Post und lerne was Inflation genau mit deinem Geld macht. 

 

Wir hoffen dieser Beitrag war hilfreich für dich, um die aktuelle Börsensituation in Krisenzeiten besser einschätzen zu können. Wir können es nicht oft genug sagen, dass gerade jetzt gut überdachte Entscheidungen absolut wichtig sind. Daher nutze die Zeit zu Hause um dich zu informieren, zu lesen und dir eine Meinung zu bilden :). 

Wir freuen uns über deine Kommentare, Fragen oder Kritik in der Kommentarbox. 

Geld Geflüster – Kurz und Knapp: 

  1. Die weltweiten Aktienmärkte befinden sich auf Talfahrt mit Kursverlusten von mehr als 30% seit Jahresanfang. Mittlerweile spricht man von einem Bärenmarkt.
  2. Die Verunsicherung unter Anlegern ist aktuell sehr sehr hoch und bereits leicht höher als während der Krise 2008, wie am VIX Index zu sehen ist. 
  3. Aktuell ist es noch nicht möglich die mittel- bis langfristigen Konsequenzen für die Weltwirtschaft einzuschätzen. Kurskorrektur oder Rezession… wir benötigen mehr Wirtschaftsdaten und empfehlen gut informiert zu bleiben. 
  4. Was jetzt zu tun ist in punkto Geldanlage hängt von deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft ab.

Die Informationen in diesem Blogpost basieren auf Recherchen und unserem besten Wissensstand.

Sie ersetzen nicht eine professionelle Finanzberatung. Die Anwendung, der hier genannten Empfehlungen, erfolgt auf eigenes Risiko.

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