Die private Altersvorsorge

Wenn es um die Altersvorsorge geht, denken viele von uns, dass das Thema noch sehr viel Zeit hat, da es einem sehr weit weg vorkommt. Hinzu kommt, dass viele Menschen den finanziellen Bedarf im Alter unterschätzen. Fakt ist, die gesetzliche Rente wird in den kommenden Jahren immer weniger zum Leben reichen. Umso wichtiger ist es, früh anzufangen selbst für die eigene Rente zu sparen, damit man abgesichert ist. Es gibt verschiedene Vorsorgemodelle, die unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen. In diesem Blogpost wollen wir dir einen Überblick geben, welche Möglichkeiten es gibt, wie du für dich die richtige Möglichkeit auswählst und wie du am besten startest.

Welches Modell ist das richtige für mich?

Du hast vielleicht schon einmal private Altersvorsorge bei Google eingetippt und warst schnell überfordert von dem Angebot an Möglichkeiten, dass es gibt. Vielleicht fragst du dich, welches Modell für dich in Frage kommt. Das ist stark davon abhängig, in welcher finanziellen Lebenssituation du dich aktuell befindest und wie deine Lebensplanung aussieht. Da es eine sehr langfristige Entscheidung ist, solltest du in Ruhe alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Vorsorgemodelle abwägen. Behalte dabei im Hinterkopf, wie sicher die angelegten Beiträge im jeweiligen Modell sind, wie hoch die Verzinsung ausfällt (aktuell ein schwieriges Thema), ob dir das Modell Steuervorteile bietet oder du eine staatliche Förderung erhalten kannst und vor allem, ob du auch vor Renteneintritt schon Zugriff auf das Geld hättest, falls du es benötigst.

Bevor du dich für ein konkretes Modell entscheidest, solltest du dir anschauen, wie viel du monatlich ansparen kannst und dir auch einmal überlegen, wieviel du im Alter voraussichtlich benötigst.

Welche Modelle gibt es?

In Deutschland gibt es drei Säulen der Altersvorsorge: 

1.   Säule:Basisvorsorge: gesetzliche Rentenversicherung, Rürup Rente, berufsständische Versorgungswerke 

2.   Säule:Geförderte Vorsorge: betriebliche Altersvorsorge und Riester Verträge 

3.   Säule:ungeförderte Vorsorge: private Lebens- und Rentenversicherung, Sparpläne. 

Wir stellen euch in diesem Blogpost die 2. und 3. Säule vor.

 

 

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Eine betriebliche Altersvorsorge ermöglicht dir den Aufbau einer Zusatzrente über deinen Arbeitgeber. Wenn du angestellt bist, bieten Firmen häufig die Option der betrieblichen Altersvorsorge. Hier gibt es zwei Modelle: Entweder die Firma spart selbst Geld für die Mitarbeiter an – das lohnt sich eigentlich immer für den Mitarbeiter, da man kein eigenes Geld in die Hand nimmt oder der Mitarbeiter verwendet Teile seines Bruttogehalts und spart darauf Steuer- und Sozialabgaben.

Letzteres lohnt sich meistens nur für den Mitarbeiter, wenn die Firma auch etwas dazugibt. Eine grobe Regel besagt, dass es sich ab einer Zuzahlung von 20% des eigenen Betrags lohnt. Wichtig, die Betriebsrenten müssen später versteuert werden. Ob sich eine betriebliche Altersvorsorge auch für dich lohnt, hängt davon ab, zu welchen Konditionen dein Unternehmen eine bAV anbietet (z.B: wie stark sich der Arbeitgeber selbst beteiligt), aber auch davon, wie deine zukünftigen Pläne aussehen.

Seit 2002 haben Arbeitgeber ein Recht auf eine sogenannte Entgeltumwandlung, in der du Teile deines Bruttogehalts in deine Altersvorsorge steckst. Früher hat sich das Modell nur aufgrund der späteren Steuern und Sozialabgaben nur gelohnt, wenn du sehr alt wirst. Seit 2019 jedoch, muss der Arbeitgeber neue Verträge mit 15% bezuschussen. Ab 2022 müssen auch laufende Verträge bezuschusst werden. Außerdem zahlen Rentner, die eine betriebliche Altersvorsorge haben, seit 2020 auf die ersten 160 Euro Rente monatlich keine Krankenkassenbeiträge.

Riester Verträge

Jährlich können Sparer bis zu 4% des Bruttoeinkommens (maximal 2.100€) in einen Riester Vertrag einzahlen. Dafür profitiert man von Zulagen und ggf. Steuervorteilen. Es gibt unterschiedliche Riester Verträge, es gilt jedoch, dass jeder Euro, der in den Vertrag einfließt zuzüglich der staatlichen Zulagen zum Rentenbeginn garantiert ist. Wenn man dann im Ruhestand ist (frühestens ab 60 Jahren) erhält man sein Geld als Rente lebenslang. Die Rente muss versteuert werden, der Steuersatz im Alter ist jedoch meist niedriger als während des Erwerbslebens.

Ein Vorteil von Riester Verträgen ist die staatliche Zulage von maximal 175€ jährlich. Für Kinder, die ab 2008 geboren sind, gibt es nochmal pro Kind 300 Euro Zulage (vor 2008 waren es 175€). Die Kinderzulage kann solange bezogen werden, wie die Kinder Kindergeld erhalten. Außerdem ist es möglich die gesamten Riester Beiträge plus Zulagen (maximal 2.100€) von der Steuer abzusetzen.

Riester Verträge lohnen sich vor allem für diejenigen, die Hohe staatliche Zulagen erhalten können ohne selbst viel einzuzahlen oder die vom Steuervorteil profitieren. Insgesamt gibt es 6 verschiedene Arten von Riester Verträgen. Es gibt Riester Verträge, bei denen du auf eine konkrete monatliche Rentensummer sparen kannst, flexiblere Banksparpläne (die jedoch im Niedrigzinsumfeld gegen null verzinst sind), Fondssparpläne, die Beiträge teilweise auch in Aktien und Fonds investieren oder fondsgebundene Riesterverträge die jedoch häufig sehr teuer sind und geringere Anlegechancen haben. Auch gibt es Bausparverträge oder Wohn-Riester Verträge (bei denen die Sparraten gegen die Tilgungszahlung eines Baudarlehens laufen).

Man muss bei Riester Verträgen immer darauf achten, dass die Gebühren nicht die Vorteile der staatlichen Zuschüsse übersteigen. Außerdem solltest du darauf achten, dass es sich eigentlich nicht lohnt einen bestehenden Riester Vertrag zu kündigen. Dann musst du nämlich die Steuervorteile und die staatlichen Zulagen zurückzahlen. Besser ist es dann den Vertrag ohne Beiträge weiterlaufen zu lassen – also ihn quasi still zu legen.

Kapitallebensversicherung

Man kann sich hier meistens entscheiden, ob man die angesparte Summe zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einmal erhalten möchte oder ob man, wenn man in die Rentenphase Eintritt eine Versicherung bei einem Anbieter für die Auszahlung abschließt. Bei dem gelten die dann gültigen Rentenkonditionen für die Auszahlphase. Seit 2017 liegt der garantierte Zins bei nur noch 0,9 Prozent. Ein Neuabschluss rechnet sich also nicht wirklich. Wenn du bereits eine Lebensversicherung hast, solltest du diese jedoch nicht kündigen. Dadurch machst du in der Regel Verlust, da du meist die Abschlusskosten gezahlt hast und ein Stornoabschlag fällig wird. Wenn du die monatlichen Raten nicht mehr zahlen kannst ist es besser den Vertrag auf beitragsfrei zu stellen oder zu verkaufen.

Rentenversicherung

Dieses Modell war früher sehr beliebt, da es als sehr sicher galt. Im heutigen Niedrigzinsumfeld ist diese Variante weniger attraktiv. Die garantierten Zinsen beziehen sich meist nur auf die eigenen Beiträge und die Kosten werden danach noch abgezogen. So ist der Zinsvorteil häufig verschwindend gering. Im Moment ist es schwierig bei dem Modell einen attraktiven Vertrag zu finden. 

Sparplan mit Aktien - ETFs

Das Thema ETFs haben wir dir ja bereits vorgestellt. Viele Depot Anbieter bieten günstige ETF Sparpläne an, bei denen du schon ab einem geringen monatlichen Einsatz (meist 25€) Geld ansparen kannst. Dies wird dann in ETFs (Exchange Traded Funds) also Indexfonds angelegt.

Diese Möglichkeit ist natürlich deutlich flexibler als oben genannte Alternativen. Die Kosten der Sparpläne sind auch recht niedrig. Wichtig ist es bei diesem Modell das Risiko zu minimieren, indem man diversifiziert. Das heißt, dass die ETFs, die man sich aussucht, verschiedene Aktien, verschiedene Branchen und verschiedene Länder umfassen. Außerdem solltest du einen recht langen Anlagehorizont planen (mind. 10 Jahre), um ein Schwankungsrisiko ausgleichen zu können.

Ein ETF ist für den Anleger durch das Kapitalmarktrisiko riskanter, doch sind auch die Renditen zumindest in den letzten Jahren deutlich attraktiver ausgefallen. Da jeden Monat eine gleichbleibende Summe angelegt wird, ist der Einstiegszeitpunkt nicht so wichtig. Über einen Zeitraum von mind. 10 Jahren gleichen sich die Schwankungen meist wieder aus. Zusätzlich sollte dir bewusst sein, dass du auf deine Kapitalerträge die Abgeltungssteuer zahlen musst. Trotzdem bieten sie eine attraktive Möglichkeit im Niedrigzinsumfeld ein Polster für die Altersvorsorge anzulegen.

 

 

Neben diesen klassischen privaten Altersvorsorge Modellen gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit mit Immobilien für die Altersvorsorge vorzusorgen. Wieviel Immobilie du dir leisten kannst, findest du in diesem Blogpost.

Wir hoffen, dass dir der Blogpost einen ersten Überblick über deine Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge gegeben hat und du dich ein bisschen besser informiert fühlst. Gerne können wir auch noch detaillierter auf die einzelnen Bereiche eingehen, wenn du Interesse daran hast. Schreib uns dazu einfach eine Nachricht.  

Geld Geflüster - Kurz und Knapp:

  1. Es gibt drei Säulen der Altersvorsorge: die Basisvorsorge, die staatlich geförderte private Altersvorsorge und die nicht staatlich geförderte private Vorsorge

  2. Die betriebliche Altersvorsorge und Riester Verträge sind zwei Möglichkeiten, um von staatlichen Zuschüssen, Steuervorteilen oder Zuschüssen des Arbeitgebers zu profitieren

  3. Das Niedrigzinsumfeld macht es im Moment schwierig attraktive klassische Rentenversicherungen oder Kapitallebensversicherungen zu finden.

  4. ETF Sparpläne bieten eine Möglichkeit über die Jahre einen Puffer aufzubauen, der zumindest in der Vergangenheit eine attraktive Rendite hatte. Das Kapitalmarktrisiko trägt hier jedoch auch der Anleger.

  5. Laufende Verträge wie z.B: Riester Verträge oder Kapitallebensversicherung sollten nicht gekündigt werden. Das führt meist zu einem Verlustgeschäft. Besser ist es die Verträge stilllegen zu lassen, die Beiträge zu reduzieren oder wenn möglich die Verträge zu verkaufen.

Die Informationen in diesem Blogpost basieren auf Recherchen und unserem besten Wissensstand.

Sie ersetzen nicht eine professionelle Finanzberatung. Die Anwendung, der hier genannten Empfehlungen, erfolgt auf eigenes Risiko.

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