Was sind Anlageklassen und welche solltest du kennen?

Anfangs als ich mich mit dem Thema Investieren beschäftigt habe, machten mir besonders, die vielen Fachbegriffe, Abkürzungen und allgemein der Finanzjargon zu schaffen: PE Ratio, Gewinn pro Aktie (eps= earnings pro share), EBITDA, Marktkapitalisierung, free cash flow, Anlageklasse usw. Dabei geht es oft eigentlich um etwas ganz einfaches, habe ich nach einer Weile gemerkt. 

Heute wollen wir über den Begriff Anlageklasse sprechen. Dieser wird dir einen guten Überblick über die vielfältigen Investitionsmöglichkeiten geben. 

Was ist eine Anlageklasse?

Eine Anlageklasse ist eine Gruppe von Finanzprodukten, die ähnliche Merkmale haben und daher unter einem gemeinsamen Überbegriff zusammengefasst werden können. Die bekannteste Anlageklasse sind Aktien. Was für gemeinsame Merkmale haben Produkte einer Anlageklasse nun? Diese sind: 

  • Liquidität

    Innerhalb einer Anlageklasse sind verfügbare Finanzprodukte alle ähnlich liquide, d.h. man kann sie leicht oder schwer liquidieren, sprich verkaufen.

  • Risiko

    Die Risikoeinstufung von Wertpapieren innerhalb einer Anlageklasse ist vergleichbar: von risikolos über risikoarm bis zum Totalverlust.

  • Kurswert

    Produkte einer Anlageklasse haben ähnliche Kursschwankungen, die man auch Volatilität nennt. Diese kann von stabil bis extrem volatil (= schwankend) reichen.

  • Laufzeit

    Die Laufzeit eines Finanzproduktes ist eine weitere Eigenschaft, die es hilft Gruppierungen nach gemeinsamen Eigenschaften zu machen. Von sehr kurzfristig laufenden Produkten bis hin zu sehr langfristig orientierten Produkten gibt es für jeden Risikotypen ein passendes Finanzprodukt.

Innerhalb einer Anlageklasse sind die wertsteigernden Eigenschaften und das Rendite-Risiko-Verhältnis also ähnlich. Das bedeutet, wenn es um Aktien geht, sind die Renditechancen verschiedener Einzelaktien ähnlich hoch, wie das Verlustrisiko. Wenn jemand behauptet, die Zalando Aktie hätte ein wesentlich besseres Rendite-Risiko-Verhältnis als die Adidas Aktie ist das reine Spekulation. Denn fachlich gesehen kann jede Aktie immens hohe Renditen erwirtschaften, oder auch zum Totalverlust der Ursprungsinvestition führen.

Das bedeutet auch wiederum, dass du nur Finanzprodukte innerhalb einer Anlageklasse miteinander vergleichen kannst. Sonst ist es wie mit Äpfeln und Birnen. Du kannst dich darum streiten, ob Boskop oder Pink Lady Äpfel besser schmecken, nicht aber ob Boskop oder Birnen besser schmecken, da sie nicht vergleichbar sind. So ist es auch mit den Anlageklassen.

Damit du die richtige Anlageklasse für dich findest, ist es also extrem wichtig zu verstehen, welche Haupteigenschaften die großen Anlageklassen haben. Denn die richtige Wahl hängt unmittelbar mit deiner Risikoeinstellung zusammen. 

Die wichtigsten Anlageklassen

Es gibt nur drei Hauptanlageklassen und du kennst sie sicherlich schon vom Namen: 

AktienAnleihen und Geldmarktinstrumente, wozu auch Bargeld gehört.

>> Aktien

Jeder spricht von Aktien, aber weisst du wirklich was eine Aktie ist? Eine Aktie ist nichts anderes als ein Anteil von einem börsengelisteten Unternehmen, das man Aktiengesellschaft nennt (AG). Eine Aktie wird auch Wertpapier genannt, da früher Aktien noch auf Papier als echte Urkunden ausgegeben wurden. Bis heute ist der Begriff Wertpapier im Börsenhandel gebräuchlich. Als Inhaber einer Aktie wirst du Gesellschafter der AG und erhältst gewisse Rechte und Pflichten. 

Wenn du dir zum Beispiel Aktien von Adidas kaufst, gehört ein winzig kleiner Teil des Unternehmens dir und du bist damit am Miterfolg oder auch -verlust beteiligt.  

>> Anleihen

Diese Anlageklasse hat viele Namen, die alle für ähnliche Produkte stehen: Anleihe, festverzinsliches Wertpapier, Schuldverschreibung, Rentenpapier oder wer es ganz Filmstar mäßig mag auch Bond (ja auch ein Bond (aus dem Englischen) ist eine Anleihe). Was für Finanzprodukte stecken jetzt hinter diesen Anleihen? Du kannst es dir fast selbst herleiten, wenn du das Wort Anleihe auseinander nimmst. Denn es geht um „leihen“, also Geld ausleihen. Wenn ein Unternehmen oder auch ein ganzer Staat sich Geld an den Kapitalmärkten leihen möchte, gibt es Anleihen aus. Für diese zahlt das Unternehmen dann Zinsen an den Gläubiger, also an dich, wenn du ihm Geld geliehen hast. 

Das ist der Deal: Geld gegen Zinsen über einen fest vereinbarten Zeitraum. Am Ende der Laufzeit zahlt das Unternehmen, dass sich Geld geliehen hat, den geliehen Betrag wieder zurück. 

Aktuell sind Anleihen keine wirklich attraktive Option um Vermögen aufzubauen, da die Zinsen sehr niedrig sind. Um einen einigermassen guten Zinssatz mit Anleihen zu erwirtschaften, muss ein Investor heutzutage an risikoreichere Staaten oder Unternehmen Geld ausleihen. Risikoreich bedeutet hier, dass ein solcher Staat in der Vergangenheit nicht immer seine Schulden komplett und wenn ja regelmäßig zurückgezahlt hat. 

>> Geldmarktinstrumente

Unter diese Anlageklasse fallen alle Produkte, die Zinsen abwerfen und am Geldmarkt (jedes Finanzprodukt hat seinen eigenen Markt) gehandelt werden. In der Regel haben diese Finanzprodukte sehr kurz Laufzeiten von täglich verfügbar, wie auf deinem Tagesgeldkonto, über Festgeld, dass bis zu 1-10 Jahren, je nach Wahl, eingeloggt ist. Je länger das Geld „geparkt“ ist, desto höher die Zinsen. Bei diesen Finanzprodukten handelt es sich um sehr sichere und stabile Werte, die allerdings auch ein limitiertes Wertsteigerungspotential haben. Diese Produkte orientieren sich wie auch Anleihen am Leitzins, den die Zentralbanken festlegen und da dieser gerade in Deutschland bei -0,88% liegt (Quelle: Deutsche Bundesbank Stand Dezember 2019 [unbezahlte Werbung]), sind Tagesgeld- und Festgeldprodukte im Moment nicht attraktiv für den Vermögensaufbau.  Die Idee dieser Anlageklasse ist, dass man auch immer einen Teil seines investierten Geldes in Geldmarktprodukte investieren sollte, um genügend Liquidität, also Bargeld verfügbar zu haben, mit dem man dann zum Beispiel unerwartete Ausgaben decken kann. 

Alle anderen Arten von Finanzprodukten fallen in die so genannten alternativen Anlageklassen, wozu zum Beispiel Immobilien, Rohstoffe wie Gold, Private Equity, Hedge Fonds, Kunst und Derivate dazugehören. Diese, wie auch die drei Hauptanlageklasse, werden wir dir ausführlich in den nächsten Blogposts vorstellen. 

An investment in knowledge always pays the best interest

Benjamin Franklin

Was ist der Zusammenhang zwischen Fonds und Anlageklassen?

Merke dir, dass Investmentfonds und auch sogenannte Exchange-Traded-Fonds (ETFs) in der Regel nur in eine Anlageklasse investieren. Sobald ein Fonds in mehr als eine Anlageklasse investiert nennt man ihn Mischfonds. Wenn du jetzt für dich feststellt, dass du gerne in alle drei Hauptanlageklassen investieren möchtest, kommt das Konzept der Anlageallokation bzw. Portfoliomixes ins Spiel. Die Idee hierbei ist es nur einen gewissen prozentualen Anteil in jede Anlageklasse zu investieren, um zu diversifizieren. All das sprechen wir in den Blogposts in der Zukunft an. 

 

Abschließend wollen wir dir noch mit auf den Weg geben, dass die Klassifizierung von Finanzprodukten in Anlageklassen wichtig ist, da du so einfacher entscheiden kannst, welche Produktkategorie grundsätzlich für dich in Frage kommt. Jede Produktgruppe hat für ein ähnliches Rendite-Risiko-Profil, dass dir als Investor hilft die richtige Mischung an risikoarmen und risikoreichen Anlageklassen in deinem Depot zu führen. 

 

Geld Geflüster - Kurz und Knapp:

  1. Eine Anlageklasse steht für eine Gruppe von Finanzprodukten mit ähnlichen Eigenschaften
  2. Anlageklassen unterscheiden sich grob nach Risiko, Liquidität, Laufzeit und Kursschwankung
  3. Die Hauptanlageklassen sind Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumente.
  4. Innerhalb einer Anlageklasse ist das Rendite-Risiko-Verhältnis ähnlich. 

Die Informationen in diesem Blogpost basieren auf Recherchen und unserem besten Wissensstand.

Sie ersetzen nicht eine professionelle Finanzberatung. Die Anwendung, der hier genannten Empfehlungen, erfolgt auf eigenes Risiko.

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